Diese Geschichte handelt vom Tod eines Menschen. Ich erzähle sie mit Respekt — und weil sie zu den Erfahrungen gehört, die mich auf dem Weg zum Heiler am stärksten geprägt haben.

Bevor ich Menschen behandeln konnte, musste ich etwas lernen, das in keinem Lehrbuch steht: keine Angst vor dem Tod zu haben. Mein Meister hat mir das nicht erklärt. Er hat mich hineingeführt — Schritt für Schritt, lange bevor ich verstand, worauf es hinauslief.

Der Tod gehörte zum Alltag

In der Goshala, dem Kuhstall, war ich dem Tod schon mehrmals begegnet. Tote Kälber, die ich gemeinsam mit Hari in einer Schubkarre zur Grabstelle brachte. Eine tote Kuh, die wir zu sechst trugen. Hunde und Katzen, die wir begruben. Ganz langsam gewöhnte ich mich daran, ein totes Tier zu sehen — etwas, vor dem ich früher zurückgeschreckt wäre.

Ich ahnte nicht, dass dies eine Vorbereitung war.

„Swamiji ruft — kommt schnell!“

Eines Tages, auf dem Weg zum Mittagessen, kam ein Arbeiter angerannt: „Raphael, Bala! Swamiji ruft euch — kommt schnell!“ Wir sprangen in einen kleinen Transporter, Swamiji vorne. Auf einem großen, bewaldeten Grundstück lief Bala voraus, während ich bei Swamiji blieb, der ungewöhnlich schnell ging — ohne seinen Stock, den er sonst immer dabeihatte.

Dann rief Bala: „Hier!“ Ein Mann lag am Boden, unter einem Teil eines umgestürzten Kokospalmenstamms. Einfache Kleidung — ein Baumfäller bei der Arbeit. Man sah auf den ersten Blick, dass er nicht mehr lebte.

Swamiji sagte: „Fühl seinen Puls.“ Ich hatte mir längst abgewöhnt, seine Anweisungen zu hinterfragen, also tat ich es. Kein Puls. Ich prüfte weiter, um ganz sicher zu sein. Kein Puls. „Pranam. Kein Puls.“ — „Gut, gehen wir.“ Später kam ein Krankenwagen; man hatte zuerst Swamiji gerufen, weil er näher und schneller war. Er sprach noch mit dem Eigentümer des Grundstücks, dann fuhren wir zurück.

„Geht essen“

Zu Hause fragte Amma, was passiert sei. Swamiji, längst wieder ganz normal: „Oh, sie haben zum ersten Mal einen Toten gesehen. Es wird ihnen gut gehen. Geht essen!“

Bala und mir war seltsam zumute, leer. Wir saßen im Speisesaal, ohne zu essen, ohne zu reden. Erst nach einer Dusche fühlten wir uns wieder etwas besser. Was uns staunen ließ: Um uns herum ging das Leben weiter, als wäre nichts geschehen — gekocht, gegessen, geputzt — während auf der anderen Seite der Mauer gerade ein Mensch gestorben war.

Warum den Puls fühlen?

Eine Frage ließ mich nicht los. Ich fragte Bala: Der Mann war eindeutig tot — warum hatte Swamiji gewollt, dass ich seinen Puls fühle? Am Abend fragte ich Swamiji direkt.

Er antwortete langsam und nachdenklich: „Du willst Heiler werden. Du solltest keine Angst vor toten Körpern haben.“ — „Pranam.“

Von da an war ein lebloser Körper für mich nichts Furchteinflößendes mehr — nicht beim Begraben von Tieren und später auch nicht, als ich an der Universität Anatomie lernte. Ein toter Körper wurde für mich wie ein leerer Käfig, dessen Bewohner ihn verlassen hat. Ein leeres Haus.

Was davon in Havixbeck steckt

Ich erzähle das nicht, um zu schockieren, sondern weil es zeigt, wie mein Meister unterrichtet hat: nie mit einem Vortrag, sondern indem er mich genau in die Erfahrung führte, die ich brauchte — oft, bevor ich selbst wusste, dass ich sie brauchte.

Wer mit dem Körper arbeitet — ob in der Heilkunst oder in der Kampfkunst —, kommt am Thema Vergänglichkeit nicht vorbei. Die Ruhe, die ich an jenem Tag lernen musste, ist dieselbe Ruhe, die ich brauche, wenn ich heute jemanden behandle: präsent bleiben, nicht in Angst geraten, da sein für das, was ist.

Wie dieser Weg begann — mit Pflanzengießen und einer Geduld, die mir zuerst sinnlos erschien — erzähle ich im ersten Teil der Reihe. Und wenn du die Kalari-Arbeit selbst kennenlernen willst, ist ein kostenloses Probetraining in Havixbeck der einfachste Einstieg — ohne Vertrag, ohne Verpflichtung.

(Dies ist der fünfte Einblick hinter die Kulissen. Eine weitere Geschichte folgt.)

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