„Don’t come to me with problems, come with solutions!“ — Komm nicht mit Problemen zu mir, komm mit Lösungen. Das ist einer der Sätze meines Meisters, die ich nie wieder vergessen habe. Nicht, weil er ihn oft sagte, sondern weil er dafür sorgte, dass ich ihn lebte.
Ich war für die Heilkunst nach Kerala gekommen. Aber das Meiste, was mein Meister mir beibrachte, hatte zunächst nichts mit Behandlungen oder Kampfkunst zu tun. Es kam durch den Alltag im Ashram — durch Pflanzen, Tiere, Werkzeug, durch alles, was eben gerade zu tun war. Swamiji unterrichtete nicht in Stunden. Er unterrichtete in Situationen.
Und dieser eine Satz veränderte, wie ich solchen Situationen begegnete. Wenn etwas kaputtging, hieß das von da an: erst alles versuchen, es selbst zu lösen — wenigstens provisorisch — und erst dann vor Swamiji treten. Nicht aus Angst vor ihm. Sondern weil ich langsam verstand, dass ein Problem zu melden das Einfachste der Welt ist. Jeder kann sagen, dass etwas nicht funktioniert. Die eigentliche Arbeit beginnt erst danach.
Wie tief dieser Satz inzwischen sitzt, habe ich an einem ganz gewöhnlichen Morgen gemerkt — wegen einer Wasserpumpe.
„Geh, schau dir die Pumpe an“
Es war früh, und ich stand mit Swamiji unter dem großen Schirm, dort, wo er oft saß und seine Gespräche führte. Ein Mitschüler kam und meldete: Eine der Pumpen läuft nicht. Der Mann, der sich sonst um solche Reparaturen kümmerte, war seit Tagen nicht erschienen.
Im Ashram war Wasser nichts Selbstverständliches, das aus der Wand kommt. Es musste bewegt werden — vom Bach in den Teich, von dort weiter zu den Pflanzen, den Tieren, den Menschen. Eine Pumpe, die stillstand, war kein kleines technisches Ärgernis. Sie betraf alles.
Swamiji zeigte Richtung Kalari: „Geh, schau dir die Pumpe an.“ — „Pranam.“ Ich wollte los. „Warte. Nimm Zac mit.“ Zac war ein Europäer wie ich, mit ganzem Herzen dabei — aber, wie er selbst zugegeben hätte, kein Handwerker.
Ein Jahr früher hätte ich genau hier gefragt: Und wie soll ich das reparieren? Inzwischen wusste ich, dass diese Frage nicht erwartet wurde. Erwartet wurde, dass ich gehe, schaue — und löse. Also holte ich erst einmal mein eigenes Werkzeug.
Mein heimliches Werkzeuglager
Über die Zeit war mein Zimmer zu einer kleinen Schatzkammer geworden: Seile, alte Messer, Schrauben, Schlauchschellen, Kleber, sogar Hundeketten — alles, was ich irgendwo fand und für nützlich hielt, landete bei mir.
Das hatte einen einfachen Grund. Der Mann, der den offiziellen Werkzeugschrank verwaltete, konnte mich nicht leiden und rückte den Schlüssel nicht heraus. Ich hätte mich darüber beschweren können. Ich hätte zu Swamiji gehen und sagen können: Ich komme an kein Werkzeug, ich kann nicht arbeiten. Ein Problem, sauber serviert.
Stattdessen baute ich mir mein eigenes Lager. Was ich nicht bekam, sammelte ich selbst. Mit der Zeit hatte ich für die meisten Situationen irgendetwas zur Hand. Heute sehe ich: Auch das war schon die Lektion. Nicht warten, bis die Umstände stimmen. Mit dem arbeiten, was da ist.
Zwei richtig gute Werkzeuge hatte ich: ein Vettukatthi, das große Messer, mit dem man hier Kokosnüsse aufschlägt — und einen Phasenprüfer, diesen Schraubenzieher, der anzeigt, ob Strom auf einer Leitung liegt.
Genau die beiden würde ich an diesem Morgen brauchen.
Dem Kabel hinterher
Hinter dem Kalari standen zwei Pumpen. Wir nahmen uns die elektrische vor, die das Wasser vom Bach in den Teich befördert. Ich hielt den Phasenprüfer an die Leitung: kein Strom.
Zac schaute auf die Pumpe und sagte, was naheliegend war: „Da können wir nichts machen.“ Und aus seiner Sicht stimmte das auch. Die Pumpe war kein offensichtlicher Defekt, kein loser Stecker, nichts, was man auf den ersten Blick reparieren konnte. Es lag einfach kein Strom an.
Aber „Da können wir nichts machen“ war genau der Satz, den ich nicht mit zurück unter den Schirm nehmen wollte. „Ich kann nicht zu Swamiji zurückgehen, ohne wirklich alles versucht zu haben“, sagte ich.
Also folgten wir dem Kabel. In den Boden hinein, hinter dem Lotusteich entlang, an der Tempelmauer her, über eine Mauer hinüber bis in die Goshala, den Kuhstall — bis zu einer verrosteten Anschlussstelle. Dort, weit weg von der Pumpe, lag der eigentliche Fehler.
Das verrostete Ende schnitt ich ab. Jetzt war das Kabel zu kurz, um es wieder anzuschließen. Also klemmte ich ein anderes Kabel ab, schlug mit dem Kokosmesser ein passendes Stück zurecht, isolierte es mit Messer und Zähnen ab und setzte es als Verlängerung ein. Sauber war das nicht. Aber es war Strom auf der Leitung.
„Das hält erst mal“, sagte ich zu Zac. „Beim nächsten Mal kann es der Elektriker richtig machen.“ — wobei der Elektriker, wenn er denn kam, meist auch mit kaum mehr als einem Schraubenzieher anrückte.
Wir schalteten die Pumpe ein. Sie lief, ohne zu murren. Das Wasser bewegte sich wieder.
Keine Reaktion ist das größte Lob
Zurück unter dem Schirm. Swamiji unterbrach kurz sein Gespräch: „Hast du sie repariert?“
Ich wackelte mit dem Kopf, auf diese indische Art, die alles und nichts heißen kann. „Pranam.“
Er nickte und wandte sich wieder seinem Gespräch zu. Mehr kam nicht.
Wer Swamiji nicht kannte, hätte das für Gleichgültigkeit gehalten. Ich hatte gelernt, dass es das genaue Gegenteil war. Wenn etwas nicht in Ordnung war, hörte ich es sofort — laut und deutlich. Lief alles glatt, kam keine Reaktion. Das Ausbleiben einer Reaktion war bei ihm das größte Kompliment, das man bekommen konnte.
Ich schaute zu Zac und musste lächeln. Wir hatten kein Werkzeug aus dem Schrank gehabt, keinen Reparaturmann, keine Anleitung. Wir hatten ein Kokosmesser, einen Phasenprüfer und die simple Entscheidung, nicht aufzugeben, bevor wir nicht alles versucht hatten. Ein guter Morgen.
Was davon in Havixbeck steckt
Lange habe ich diesen Satz für eine Frage der Effizienz gehalten — bring deine Aufgaben zu Ende, belästige den Meister nicht mit Kleinkram. Aber er meinte etwas Größeres.
Er wollte, dass ich aufhöre, mich als jemanden zu sehen, dem Dinge passieren, und anfange, jemand zu sein, der handelt. Nicht klagen, sondern lösen. Nicht warten, bis jemand kommt und es richtet, sondern selbst ins Tun gehen — mit dem, was gerade da ist, auch wenn es nicht das perfekte Werkzeug ist und nicht der perfekte Moment.
Diese Haltung war nie ein Vortrag. Sie kam durch eine kaputte Pumpe, durch ein improvisiertes Werkzeuglager, durch unzählige kleine Momente, in denen es einfacher gewesen wäre, ein Problem zu melden. Und genau deshalb sitzt sie tiefer als jeder gut gemeinte Ratschlag es könnte. Du lernst sie nicht über den Kopf. Du wirst zu jemandem, der so handelt.
Genau das ist es, was Kalari aus mir gemacht hat — und genau das versuchen Paulus und ich weiterzugeben: nicht nur Technik, nicht nur Formen, sondern eine andere Art, sich selbst und seinen Schwierigkeiten gegenüberzustehen.
Wie das Lernen bei meinem Meister überhaupt begann — mit Pflanzengießen und einer Geduld, die mir zuerst sinnlos erschien — habe ich im ersten Teil dieser Reihe erzählt.
Und wenn du diese Art zu trainieren selbst erleben willst: Der einfachste Einstieg ist ein kostenloses Probetraining in Havixbeck — ohne Vertrag, ohne Verpflichtung.
(Dies ist der zweite Einblick hinter die Kulissen. Weitere Geschichten folgen.)