Im Ashram war ich der Einzige, der kein Malayalam sprach. Lange habe ich das für einen Nachteil gehalten. Die anderen Schüler verstanden Swamiji im Vorbeigehen, in Andeutungen, in dem, was er nebenbei sagte — und ich stand daneben und bekam die Hälfte nicht mit.

An einem Tag aber machte ich mir genau das zum Vorteil. Ich tat so, als hätte mich eine Anweisung nicht gemeint, weil sie in einer Sprache kam, die ich „nicht verstand“. Und ausgerechnet daran habe ich eine Lektion gelernt, die bis heute trägt: dass das Teuerste, was man tun kann, ist, sich selbst zu belügen.

Schuld war ein Hund namens Muttu.

„Muttu! Dein Haus stinkt!“

Wir kamen vom Tempel zurück zu Swamijis Haus, eine kleine Gruppe Schüler und ich mittendrin. Auf dem Weg lag eines der Hundehäuser, und schon von Weitem schlug uns der Gestank entgegen. Es war unerträglich.

Swamiji blieb stehen. Zuerst sah er den Hund an, voller Mitgefühl: „Muttu! Dein Haus stinkt! Säubert das denn niemand?“ Dann drehte er sich um und sprach auf Malayalam weiter. Die Worte verstand ich kaum — aber den Sinn verstand ich genau. Es war ein Tadel dafür, das arme Tier in diesem Dreck sitzen zu lassen, und die Aufforderung, das sofort in Ordnung zu bringen.

Es ging ihm immer darum, in uns Verantwortung zu wecken — besonders gegenüber den Pflanzen und Tieren, die sich nicht selbst helfen konnten. Wer für die sorgt, die nichts zurückfordern können, der lernt etwas über sich selbst.

Der schlaue Ausweg

Ich war von uns am längsten im Ashram und deshalb meist derjenige, der für solche Dinge geradestehen musste. Diesmal aber fühlte ich mich im Glück. Er hatte auf Malayalam gesprochen — also, sagte ich mir, war ich gar nicht gemeint. Das ging die anderen an.

Als alle „Pranam“ sagten, dieses Wort, mit dem man Verstehen und Respekt zugleich ausdrückt, hielt ich den Mund. Kluger Schachzug, dachte ich. Ich hatte mich elegant aus der Verantwortung gestohlen, und niemand konnte mir etwas vorwerfen. Schließlich hatte ich ja nichts verstanden.

So redete ich es mir zumindest ein.

„Auch ohne Worte“

Später am Tag ging ich wieder mit Swamiji los, diesmal allein, zum Tempel — den ich, das wusste ich, in tadelloser Ordnung gehalten hatte. Ich war ruhig. Ich hatte meine Aufgaben gemacht.

Wir kamen am Hundehaus vorbei. Der Geruch von altem Hundeurin hing noch in der Luft. Swamiji sagte ganz ruhig: „Du hast das Hundehaus nicht gesäubert? Ich hab es dir heute Morgen gesagt.“

Ich versuchte es mit meiner Ausrede: Er habe doch auf Malayalam gesprochen, ich hätte gedacht, er meine die anderen.

Da hob er die Stimme: „Wenn ich dir etwas sage, musst du es verstehen! Ob ich Englisch spreche, Malayalam oder irgendeine andere Sprache — es ist deine Aufgabe, mich zu verstehen, auch ohne Worte!“ — „Pranam.“ — „Mach es sofort sauber!“ Und er ging allein weiter zum Tempel.

Während ich putzte

Während ich das Hundehaus säuberte, hörte ich ihn von Weitem chanten. Und langsam wurde mir klar, was an diesem Morgen wirklich passiert war.

Es war nicht die Sprache gewesen. Es war mein Ego, das die Verantwortung auf die anderen abschieben wollte. Ich hatte mich nicht bloß vor einer unangenehmen Aufgabe gedrückt — ich hatte mich selbst belogen. Ich hatte mir das „Ich habe es nicht verstanden“ so lange eingeredet, bis ich es fast geglaubt hätte. Das ist das Heimtückische an der Selbsttäuschung: Sie fühlt sich an wie eine clevere Lösung, dabei ist sie nur eine teure Lüge an die eigene Adresse.

Beim Putzen hatte ich das Gefühl, mich von innen zu reinigen. Und mit der Reinigung kam ein merkwürdiges Vertrauen: Ich konnte mich darauf verlassen, dass Swamiji immer dafür sorgen würde, dass seine Botschaft bei mir ankommt — auf die eine oder andere Weise. Und ich wusste auch: Sobald ich die Lektion wirklich verstanden hatte, würde er sie nie wieder erwähnen. Kein Nachtreten, kein Vorhalten. Erledigt.

Eine Stunde später ging ich an Muttus Haus vorbei, jetzt sauber. Swamiji rief von der anderen Seite: „Muttu! Braver Junge! Du hast wieder ein sauberes Haus!“ Ich musste lächeln.

Was davon in Havixbeck steckt

Diese Geschichte handelt nur an der Oberfläche von einem Hundehaus. Darunter geht es um zwei Dinge, die ich seitdem nicht mehr loswerde.

Das erste: Verantwortung lässt sich nicht an die Umstände abgeben. Nicht an „die Sprache“, nicht an „die anderen“, nicht an „dafür war ich nicht zuständig“. In dem Moment, in dem ich anfange, nach dem Schlupfloch zu suchen, weiß ich insgeheim längst, dass es meine Aufgabe ist. Es ist dieselbe Haltung, von der ich schon im zweiten Teil dieser Reihe erzählt habe — nicht klagen, nicht abschieben, sondern es tun.

Das zweite: wirklich verstehen heißt zuhören, bevor Worte fallen. Mein Meister hat mich gelehrt, ihn auch ohne Worte zu verstehen. Heute, wenn ich Menschen behandle oder unterrichte, ist das der Kern meiner Arbeit — zu spüren, was jemand braucht, noch bevor er es sagen kann oder will.

Genau das versuchen Paulus und ich in Havixbeck weiterzugeben: nicht nur Techniken, sondern eine Aufmerksamkeit und eine Ehrlichkeit sich selbst gegenüber, die man im Training übt und im Leben braucht.

Wie dieser Weg überhaupt begonnen hat, erzähle ich im ersten Teil der Reihe. Und wenn du es selbst erleben willst: Der einfachste Einstieg ist ein kostenloses Probetraining in Havixbeck — ohne Vertrag, ohne Verpflichtung.

(Dies ist der dritte Einblick hinter die Kulissen. Weitere Geschichten folgen.)

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