„Wir sollten dir ein T-Shirt besorgen, mit einem großen C drauf — Complaint Man, wie Superman.“ Das sagte mein Meister zu mir, halb im Scherz, halb todernst. Und er hatte recht. Ich war zum Klagen geworden.
Wie ich vom Klagenden zu jemandem wurde, der sich kümmert, ist eine der Geschichten, die meine Art zu arbeiten bis heute am meisten prägen.
Complaint Man
In meiner Anfangszeit meldete ich ständig, wenn etwas nicht funktionierte. Indische Maßstäbe waren nun einmal andere als die deutschen, an die ich gewöhnt war — und ich sah überall, was nicht stimmte. Einmal sagte ich, der Behandlungsraum müsse gestrichen werden, er sehe schmutzig aus.
Swamiji fragte mich nach meinem Geburtstag. „Am Dritten.“ — „Deshalb beschwerst du dich also ständig. Wir sollten dir ein T-Shirt besorgen, mit einem großen C drauf — Complaint Man.“ Mein Klagen gefiel ihm nicht.
Vom Melden zum Machen
Also änderte ich die Frage. Statt zu melden, was schlecht war, fragte ich: „Darf ich den Behandlungsraum streichen?“ — „Klar. Hast du Farbe?“ Hatte ich nicht. Am selben Abend hatte er Farbe gekauft, „für mich“. In dem Moment merkte ich: Eigentlich tat ich es für ihn, für den Ashram.
Er tat so, als wäre es ihm gleichgültig, ob ich die Dinge verbesserte. Aber genau dadurch fing ich an, mich darum zu kümmern — dass alles funktionierte, in Ordnung war, sauber war. Und er rief mich immer öfter, wenn etwas nicht stimmte: „Warum hat hier niemand gefegt?“ Ich lernte, nicht zu erklären, sondern zu lösen — und ich lernte, dass ich auch dafür verantwortlich war, dass die anderen ihre Aufgaben machten. Lief alles glatt, kam kein Lob. War etwas nicht in Ordnung, gab es Tadel.
Mit Swamis Augen sehen
Mit der Zeit fing ich an, jeden Ort mit seinen Augen zu betrachten. Wenn er hierherkommt — was wird er sehen? Was wird ihm gefallen, was nicht? Anfangs fand er immer noch die kleinste Sache, die ich übersehen hatte. Aber langsam, wenn er kam und nichts fand, ging er einfach weiter. Das war das größte Kompliment, das es gab.
Genauso war es mit den Gästezimmern: sauberes Bad, eine frische Trinkkokosnuss, frische Handtücher, ein funktionierender Warmwasserboiler. Zuerst fand er, was ich vergessen hatte. Später nicht mehr.
Der vergessene Winkel
Ein Beispiel ist mir besonders geblieben. Es gab eine Ecke abseits des Hauptwegs, wo Feuer gemacht und Müll entsorgt wurde — vernachlässigt, von kaum jemandem beachtet. Der Weg dorthin war von drei, vier Meter langen Kokospalmwedeln blockiert, überall lag Abfall herum.
Die anderen waren nach dem Training erschöpft. Trotzdem überredete ich zwei von ihnen, mir zu helfen. Wir räumten auf, zerkleinerten die Wedel — die Stiele gaben gutes Brennholz —, fegten und verbrannten den Müll. Am nächsten Morgen um sieben tauchte Swamiji genau an dieser Stelle auf, schaute sich um und ging weiter zu den Bananenfeldern. Zufrieden.
In solchen Momenten wusste ich, dass ich im Fluss gewesen war: Ich war meiner Intuition gefolgt und hatte die richtige Arbeit zur richtigen Zeit getan — noch bevor jemand sie eingefordert hatte.
Was davon in Havixbeck steckt
Vom Klagen zum Sorgen — das klingt klein, ist aber eine grundlegende Verschiebung. Solange ich nur meldete, was schlecht war, blieb ich außen, ein Beobachter mit Ansprüchen. In dem Moment, in dem ich anfing, mich zu kümmern, wurde es meine Sache. Aus „das müsste mal jemand machen“ wurde „das mache ich“.
Diese Haltung — Verantwortung übernehmen, statt zu klagen — zieht sich durch die ganze Reihe; im zweiten Teil erzähle ich, wie mir derselbe Grundsatz an einer kaputten Wasserpumpe begegnete. Und „mit Swamis Augen sehen“ ist im Grunde nichts anderes als die Aufmerksamkeit, die mir das Pflanzengießen beigebracht hat — davon handelt der erste Teil.
Genau diese innere Haltung versuchen Paulus und ich in Havixbeck weiterzugeben — nicht nur als Technik, sondern als eine Art, dem eigenen Leben zu begegnen. Wenn du das selbst erleben willst, ist ein kostenloses Probetraining in Havixbeck der einfachste Einstieg — ohne Vertrag, ohne Verpflichtung.
(Dies war vorerst der letzte Einblick hinter die Kulissen — weitere Geschichten aus Kerala folgen, wenn die Zeit reif ist.)